Scottish music

„Für mich haben Jochen Roß und Jens-Uwe Popp eines der bemerkenswertesten Alben der deutschen Folkmusik produziert. Sie beschränken sich nicht darauf nachzuspielen, was von den britischen Inseln rüberschwappt, sondern sie geben den Songs und Tunes ein neues Gewand, ein Gewand das ihnen hervorragend steht.“

Nachdem Jochen Roß (Mandoline, Mandola) und Jens-Uwe Popp (Gitarren) 1998 die CD „Zeitpunkte“ mit klassischer Musik aus dem 20. Jahrhundert veröffentlicht hatten, erwachte ihr Interesse für Schottland, das Land, die Leute und vor allem deren Kultur, die Musik. Zehn Jahre nach ihrer ersten gemeinsamen CD taten sich die beiden, die sonst an anderen Projekten arbeiten, wieder zusammen um „The Ten Islands“ aufzunehmen.
Dabei entstanden in Zusammenarbeit mit der kanadischen Sängerin Lisa Winn, dem international anerkannten Kontrabassisten Guido Jäger, dem marokkanischen Perkussionisten Rhani Krija, Fabian Hink an der elektrischen Gitarre und Ulrich Schubert am Didgeridoo zehn atemberaubend schöne musikalische „Universen“ (Inseln im scheinbar endlosen Ozean): Vier instrumentale Stücke des Musikers, Komponisten, Lehrers und Forschers Nigel Gatherer, Jim McLeans Protestsong „Smile in Your Sleep“, zwei traditionelle Lieder und drei Tunes. Robert Burns schrieb die Worte zu „The Banks o’Doon“ und Lisa singt mit ihrer glasklaren Stimme eine englische Übersetzung dieses romantischen Liedes. Wir hören sie außerdem beim rhythmischen Liebeslied „Kelvingrove“ und bei McLeans Version von „Missed covered Mountain“. Der bekannte Folksong wurde mit einem neuen Text zu einem bitteren Protestsong gegen die Highland Clearances, verpackt in ein Schlaflied, umgewandelt. Popp an der E-Gitarre, Roß an Mandoline und Mandola, Kontrabass, Perkussion und Didgeridoo machen ihn zu meinem Lieblingssong.
Die wunderschöne Irische Melodie „The dark and slender Boy“ fanden die beiden in einem Buch von Simon Mayor (Mandolinquents), ebenso wie „Such a Parcel of Rogues“, das Roß auf der Tenor Mandola und Popp auf der Akustikgitarre als Duett spielen. Mein Favorit unter den traditionellen Melodien ist das Schottisch Gälische „Mairi bhan óg“ (Mary young and fair). Jäger streicht den Kontrabass, Krija erzeugt mit den Perkussionsinstrumenten einen wunderschönen Rhythmus zum gleichmäßigen elektronischen Klang der Wellen und Roß und Popp zupfen gefühlvoll Mandoline und Gitarre, bis dann im zweiten Teil Hink mit der E-Gitarre die Idylle zerstört und große Brecher auf das Boot wirft ohne es jedoch zu kentern. Von Gatherers Melodien haben mich vor allem das experimentelle „East Parkside“ und das improvisationsfreudige „Wee Morag“ beeindruckt. Bei letzterem können die Musiker ihr volles Potential ausschöpfen.

Für mich haben Jochen Roß und Jens-Uwe Popp eines der bemerkenswertesten Alben der deutschen Folkmusik produziert. Sie beschränken sich nicht darauf nachzuspielen, was von den britischen Inseln rüberschwappt, sondern sie geben den Songs und Tunes ein neues Gewand, ein Gewand das ihnen hervorragend steht.

Adolf 'gorhand' Goriup / www.folkworld.eu