Scottish music

„Ein Konstrukt, gewiss, aber ein organisches und faszinierendes.“

Oh der Zauber schottischer Landschaften, wen hat er nicht schon alles in seinen Bann gezogen! Mancher Musiker verlor darüber den Verstand und erging sich fortan in kitschigem Schönklang. Nicht so die beiden klassisch geschulten Schottland-Freunde Jochen Roß und Jens-Uwe Popp: Auf „The Ten Islands“ bewegen sich der Mandolinist und der Gitarrist abseits der Klischees, bieten Aufnahmen mit Ecken und Kanten, mit überraschenden Wendungen. Das Material besteht aus Traditionals und Stücken des schottischen Komponisten und Mandolinenlehrers Nigel Gatherer, von Ross und Popp in eine körperhafte Produktion gegossen. Natürlich zieht sich die Schönheit der Lieder durch das Album, und gleich zur Eröffnung singt die Kanadierin Lisa Winn ein zauberhaftes „The Banks o’ Doon“. Aber die erstklassige Besetzung mit Guido Jäger am Kontrabass (Giora Feidmann), dem marokkanischen Perkussionisten Rhani Krija (Sting), Fabian Hink an der E-Gitarre und Ulrich Schubert am Didgeridoo setzt ganz eigene Akzente. Die Musiker geben den Tönen Raum, wo nötig, gehen in die Vollen, wenn angebracht, nehmen Anleihen bei Jazz und Klassik, falls stimmig. Ein Konstrukt, gewiss, aber ein organisches und faszinierendes.

Volker Dick / Folker / www.folker.de